HIV infection

Seit der ersten Identifizierung des HIV-Virus Anfang der 80er Jahre sterben jährlich Millionen von Menschen durch die HIV/AIDS-Epidemie - 2/3 davon in Afrika südlich der Sahara. Fortschritte in der Medizin haben dazu geführt, die Zahl der HIV-Neuinfektionen zu senken und die Lebensqualität und Prognose für Menschen mit HIV zu verbessern. 

HIV-Infektion infection

Die Organisationen UNAIDS und WHO schätzen, dass im Jahr 20111:

  • 34 Millionen Menschen weltweit mit dem HI-Virus lebten
  • 2,5 Millionen Menschen sich mit HIV neu infizierten 
  • 1,7 Millionen Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion starben.

Definition

Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Lentivirus aus der Familie der Retroviren, dessen Zielzellen die für das Immunsystem wichtigen weißen Blutkörperchen darstellen, zu denen die Makrophagen, Dendriten und insbesondere die T-Helferzellen (CD4-Lymphozyten) gehören.2

HIV wird über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit, Vor-Ejakulat und Muttermilch verbreitet. Ungeschützter sexueller Kontakt ist die häufigste Übertragungsweise. Weitere Möglichkeiten der Übertragung sind Bluttransfusionen, die gemeinsame Verwendung von Drogenbesteck bei intravenösen Drogenkonsumenten und die Übertragung von Mutter zu Kind während der Schwangerschaft, der Geburt oder beim Stillen.

Das HI-Virus infiziert die Zellen des Immunsystems, schädigt oder zerstört diese und schwächt das Immunsystem derart, dass eine Infektion nicht mehr bekämpft werden kann. Ohne eine antiretrovirale Therapie verläuft die Krankheit normalerweise in mehreren Phasen:

  • Frühe Infektionsphase: rasche und vorübergehende Verminderung der  CD4-Lymphozyten;
  • Fortschreiten der Erkrankung über mehrere Monate bis zu mehr als 10 Jahren: Die Anzahl der CD4+ T-Zellen sinkt langsam unter ein kritisches Niveau und das Immunsystem kann nicht länger gegen opportunistische Infektionen ankämpfen;
  • Endstadium: Einsetzen des ausgeprägten “full-blown AIDS”-Stadiums (Acquired Immune Deficiency Syndrome), das durch eine oder mehrere HIV-assoziierte opportunistische Infektionen oder Krebserkrankungen und schließlich den Tod gekennzeichnet ist.

Diagnose

Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben, wissen oft nicht, dass sie infiziert sind,3 zum Teil, weil nach einer seit kurzem bestehenden Infektion keine Symptome vorliegen. Diese Menschen sind jedoch sehr ansteckend und können unwissentlich die Erkrankung übertragen. Deshalb empfehlen viele Behörden einen HIV-Test in der medizinischen Routineversorgung von Erwachsenen, Jugendlichen und Schwangeren.3 Durch eine frühzeitige Diagnose kann eine Übertragung verhindert und früher mit einer antiretroviralen Therapie begonnen werden. Es gibt zunehmend Beweise dafür, dass der frühe Beginn einer Therapie die Lebensqualität verbessert, das Übertragungsrisiko senkt und die Wahrscheinlichkeit, AIDS zu entwickeln, geringer ist.3

 

Diagnostik

Das konventionelle Screening auf HIV erfolgt normalerweise zuerst über einen HIV-Antikörper-Test mittels Blutprobe, Sputum oder Urin.


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  • Diese Tests sind sensitiv und präzise sobald Antikörper in ausreichender Zahl vorliegen, was durchschnittlich etwa 22 Tage nach der Exposition der Fall ist.
  • Die  neuesten  kombinierten ELISA-Tests (Enzyme-linked Immunosorbent Assay) der 4. Generation können gleichzeitig HIV-Antikörper und das HIV1 p24-Antigen nachweisen und ermöglichen früher als reine Antikörper-Tests einen effektiven Nachweis.3
  • Patientennahe Schnelltests zur Sofortdiagnostik (Point-of-CareTesting) sind leichter zugänglich und erleichtern das Screening, so dass mehr Menschen früher getestet werden können. Dies ist vor allem in Entwicklungsländern wichtig, in denen der Zugang zu Testmöglichkeiten ein Problem darstellt.
  • Bei einem positiven Ergebnis wird häufig ein Bestätigungstest mittels HIV-1 Western-Blot oder Immunfluoreszenztest durchgeführt.

 

Monitoring

  • Quantitative molekulare Tests, wie die Polymerase-Kettenreaktion (Polymerase Chain Reaction) oder NASBA (Nucleic Acid Sequence Based Amplification) werden zur Messung der Viruslast von HIV-positiven Patienten eingesetzt. Um eine effektive antivirale Therapie zu gewährleisten ist die regelmäßige Überwachung der Viruslast wesentlich.4
  • Die Verwendung von Dry Blood Spots (DBS) erleichtert die Probennahme sowie den Transport der Blutproben während der Überwachung der Viruslast. Diese einfache Methode im Filterpapierformat ermöglicht die Überwachung von HIV-Patienten weltweit, da sie auch in entlegenen Gebieten zugänglich ist.       

 

Prävention und Therapie

Prävention

Da es derzeit keinen Impfstoff gegen das HI-Virus gibt, liegt die wesentliche Strategie der Aufklärungskampagnen und politischen Aktivitäten in der Verhinderung der Ausbreitung der HIV-Infektion, mit dem Ziel, diese auszurotten. Konkrete Maßnahmen sind in den „Political Declaration on HIV/AIDS“ 2011 der Vereinten Nationen niedergelegt.5 Wesentliche Maßnahmen zur Prävention sind:

  • Verringerung des Übertragungsrisikos bei sexuellem Kontakt durch Safer Sex:
    • Reduzierung der Zahl der Sexualpartner
    • Konsequente Verwendung von Kondomen3
  • Antiretrovirale Therapien (ART) tragen in verschiedener Hinsicht dazu bei, das Risiko der Ausbreitung zu reduzieren:
    • Sie setzen die Viruslast der HIV-Infizierten herab und senken das Übertragungsrisiko, einschließlich der Mutter-Kind-Übertragung.6,7
    • Eine unmittelbar nach der Exposition einsetzende Therapie senkt das Risiko einer Ansteckung mit HIV.8
    • Für Risikogruppen (im Fokus stehen Männer und Transgender-Frauen, die Sex mit Männern haben und serodiskordante, heterosexuelle Paare) wird eine orale Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) empfohlen.9
  • Das regelmäßige Screening von Blutprodukten und Spenderorganen hat das Übertragungsrisiko während einer Bluttransfusion oder Organtransplantation auf ein Minimum reduziert.10
  • Nadelaustauschprogramme für IV-Drogenkonsumenten helfen, die Übertragung durch gemeinsam verwendete Nadeln zu verhindern.11

Therapie

Derzeit gibt es keine Heilung für HIV oder AIDS, aber die heute zur Verfügung stehenden antiretroviralen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten für HIV haben die Lebensqualität und die Prognose für HIV-Infizierte stark verbessert.

    • Für die antiretrovirale Therapie stehen vier Wirkstoffklassen zur Verfügung:
      • Nukleosidische Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (NRTI)
      • Nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI)
      • Entry-(Eintritts-) und Fusions-Inhibitoren (FI)
      • Protease-Inhibitoren (PI)
    • Die Therapie wird durch die Kombination von Wirkstoffen aus mindestens drei der vier verschiedenen ART-Klassen optimiert*.12 Dies wird Dreifach-Therapie (“triple therapy”) oder ART-Cocktail genannt.
    • Ein wichtiges Ziel der Behandlung ist die Senkung der Plasma-Viruslast.
    • Der HIV-Status bzgl. CD4, Viruslast, Sicherheit und Stoffwechsel sollte überwacht werden.
    • HIV-Infizierte sollten auch Immunisierungen und Prophylaxe erhalten, um vor opportunistischen Infektionen geschützt zu sein.3

    Leitlinien

     

     

    REFERENCES

     

    1. UNAIDS, WHO 2011
    2. Cunningham, A. et al. "Manipulation of dendritic cell function by viruses".Current opinion in microbiology 13 (4): 524–529. . 
    3. Moyer, VA. Annals of Internal Medicine Clinical Guidelines: Screening for HIV: U.S. Preventive Services Task Force Recommendation Statement. April 30, 2013
    4. Dewar R, et al. Diagnosis of human immunodeficiency virus infection. In: Mandell GL, Bennett GE, Dolin R, eds. Principles and Practice of Infectious Diseases. 7th ed. Philadelphia, Pa: Elsevier Churchill Livingstone; 2009:chap 119.
    5. UNAIDS Report on the Global AIDS Epidemic 2012
    6. Cohen MS, et al. Prevention of HIV-1 infection with early antiretroviral therapy. The HPTN 052 Study Team.N Engl J Med 2011.
    7. WHO recommendations on the diagnosis of HIV infection in infants and children. WHO: 2010. (NLM classification: WC 503.1)
    8. CDC. Antiretroviral post-exposure prophylaxis after sexual, injection-drug use, or other non-occupational exposure to HIV in the United States: recommendations from the U.S. Department of Health and Human Services. MMWR 2005;54(No. RR-2):1-20
    9. Guidance on oral pre-exposure prophylaxis (PrEP) for serodiscordant couples, men and transgender women who have sex with men at high risk of HIV: Recommendations for use in the context of demonstration projects. WHO: July 2012.
    10. Rogers MF, et al. National Center for Infectious Diseases Jones WK., Dr. P.H. Office of the Associate Director for HIV/AIDS. Guidelines for Preventing Transmission of Human Immunodeficiency Virus Through Transplantation of Human Tissue and Organs. CDC: May 20, 1994 / 43(RR-8);1-17
    11. Bruneau J, et al. Trends in Human Immunodeficiency Virus Incidence and Risk Behavior Among Injection Drug Users in Montreal, Canada: A 16-Year Longitudinal Study. Am. J. Epidemiol. (2011) 173 (9): 1049-1058.
    12. Guidelines for the Use of Antiretroviral Agents in HIV-1-Infected Adults and Adolescents. Panel on Antiretroviral Guidelines for Adults and Adolescents. Department of Health Services (http://www.aidsinfo.nih.gov/)

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